Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 6, 1. Auflage, Karl Dietz Verlag Berlin 2014, S. 723

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Verband der Scharfmacher

Dem „Russischen Kurier“ wird geschrieben: In Moskau hat sich ein neuer Verband der Fabrikbesitzer gebildet. Der Verband will ein Kapital von etwa zehn Millionen Mark aufbringen, wozu jeder Fabrikant seinem Umsatz entsprechend beizutragen hat. Der Zweck dieses Verbandes ist, Kampf gegen die Streiks durch gegenseitige Unterstützung und gegenseitige Versicherung.

Petersburg, 24. November. Der Verband der Druckereibesitzer beschloß, den in den politischen Ausstand tretenden Angestellten während dessen Dauer kein Gehalt zu zahlen. Dasselbe beschlossen die Moskauer Straßenbahngesellschaften. Wie aus Moskau gemeldet wird, haben die Zeitungshändler die Zeitung „Wetschernaja Potschta“ [Abendpost] boykottiert und gestern die Druckereien derselben gänzlich zerstört.

Moskau, 23. November. Ausständige Arbeiter zerstörten heute die Tabakfabrik von Bostanschoglo sowie mehrere andere Gebäude und warfen einen Straßenbahnwagen um. In Busuluk (Gouvernement Samara) entstanden Unruhen durch einen Konflikt zwischen Polizei und Rekruten. Unter Führung von Handwerkern verübte der Pöbel (d. h. das Polizeigesindel) Ausschreitungen und befreite 21 Kriminalverbrecher. Mit großer Mühe wurde die Plünderung der Läden verhindert.

Moskau, 24. November. Die Telephonarbeiter sind wegen der Arbeitsdauer in den Ausstand getreten. Auf der Nikolajew-Eisenbahn wird gleichfalls der Ausbruch eines neuen Streiks befürchtet.

Immer noch Eisenbahnerstreik

Breslau, 23. November. Wie die Eisenbahndirektion Breslau mitteilt, ist der Güterverkehr nach Rußland über Grajewo zurzeit gesperrt, ebenso auf der Strecke Balachany–Baku–Sucharany der Transkaukasischen Eisenbahn. Auf der Strecke nach Nishni-Nowgorod und den dahinter gelegenen Strecken der Moskau-Kasan-Bahn sind die Güter nach den sibirischen Stationen vorläufig eingelagert worden, bis die Weiterbeförderung möglich ist.

Hilfe notwendig!

Aus Moskau wird geschrieben: Die Kasse der Streikkommission scheint erschöpft zu sein, denn in den letzten Tagen haben die Streikenden trotz aller Bemühungen keinen Kopeken aus dem Streikkapital erhalten können.

Warschau, 24. November. Der Gouverneur von Kurland hat an alle Militärgouverneure einen Befehl erlassen, daß alle Personen, welche Versammlungen abhalten, als Aufrührer zu betrachten seien und daß die Versammlungen gänzlich untersagt werden. Sollten jedoch Versammlungen abgehalten werden, so seien dieselben mit Gewalt aufzulösen. Die Telegraphenbeamten in Petrikau wurden angewiesen, Telegramme an

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