Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 6, 1. Auflage, Karl Dietz Verlag Berlin 2014, S. 276

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Erklärung

Soeben bemerke ich in der „Leipziger Volkszeitung“ (Bericht über die Versammlung des 12. und 13. Reichstagswahlkreises) in der Rede des Gen. Geyer folgenden Satz: „Selbst Rosa Luxemburg habe die Mißbilligung für die Leipziger mit ausgesprochen.“[1]

Diese Behauptung des Genossen Geyer beruht auf einem Irrtum: Ich habe für das Tadelsvotum an die Leipziger nicht gestimmt.[2] Obwohl ich in der Sache selbst für die strikteste Durchführung der Beschlüsse der Partei bin – dies, um allen Mißverständnissen vorzubeugen –, so halte ich doch solche Tadelsvota der höchsten Parteiinstanz eher für schädlich als nützlich, weil geeignet, die Genossen noch mehr zu erbittern und so dem Zweck direkt entgegenzuwirken. Nicht durch Tadelsvota, sondern bloß durch die ausreichende Klärung der Sache selbst läßt sich nach meiner Ansicht eine Einmütigkeit im Handeln erzielen.

Berlin-Friedenau, 24. Oktober 1899

Rosa Luxemburg

Leipziger Volkszeitung,

Nr. 248 vom 25. Oktober 1899.

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[1] Siehe Leipziger Volkszeitung, Nr. 244 vom 20. Oktober 1899.

[2] Die Leipziger Sozialdemokraten hatten sich im Gegensatz zu zentralen Festlegungen nicht an den sächsischen Landtagswahlen beteiligt. Siehe dazu auch Rosa Luxemburg an Leo Jogiches am 24. Oktober 1899. In: GB, Bd. 1, S. 387.