Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Karl Dietz Verlag Berlin, Bd. 6, S. 716

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erhoben werden. Fürst Trubetzkoi führte aus, wenn der Kongreß nicht die Regierung unterstütze, werde er den Eindruck hervorrufen, daß alle mit dem Manifest vom 30. Oktober unzufrieden seien. (!!) Alle müßten sich um dieses Manifest scharen, sonst würde es zu einer Schreckensherrschaft kommen. Redner schlug vor, die Regierung zu bitten, eine Kommission aus Vertretern der Semstwos, der Städte und der höheren Schulen einzusetzen, die ein Wahlgesetz für die Reichsduma ausarbeiten solle. Der Vertreter von Kasan führt aus, die Bevölkerung sei gegen eine Konstituierende Versammlung. (!) Der Vertreter von Petersburg beantragte, die Regierung zu unterstützen und den Zusammentritt der Duma abzuwarten, die allein geeignet sei, Gesetze zum Schutze der Freiheit zu schaffen. Der Vertreter von Nowgorod beantragte, die Grundsätze des Manifestes vom 30. Oktober anzunehmen und sich der Regierung anzuschließen. Ein Vertreter von Saratow schloß sich diesem Antrage an. Der Vertreter von Twer wollte der Regierung nur unter gewissen Bedingungen ein Vertrauensvotum erteilen. Die Sitzung wurde dann auf morgen vertagt.

Der Bauernkongreß besteht zum größten Teil aus Stadtbewohnern, kleinen Angestellten, Journalisten und nur zum kleinsten Teile aus Bauern. Den Vorsitz führte in diesem Kongreß der Geschäftsführer einer Petroleumfirma.

Petersburg, 20. November. (Meldung der „Petersburger Telegraphen-Agentur“.) In Kostroma hat eine Versammlung der konstitutionellen Partei einen Beschluß angenommen, daß alle Semstwos und Städte dem Grafen Witte Vertrauen bezeugen müssen, als einziges Mittel, die Wirren und Ausstände zur Ruhe zu bringen.

Vom Belagerungszustand

Łódź, 20. November. Heute Abend wurden hier eine Anzahl Konditoreien von Militär besetzt; alle Gäste wurden untersucht, viele wurden verhaftet.

Die Japaner beschützen die russische „Ordnung“

Aus Nagasaki meldet der „Daily Telegraph“: Auf den russischen Gefangenen-Transportschiffen ist die Ruhe wieder hergestellt. Admiral Roschdjestwenski verzichtete auf weiteren japanischen Schutz, doch bewachen japanische Torpedoboote noch den Transportdampfer „Tambow“, der heute Abend in See ging. Unter den russischen Gefangenen in Kokura, Fuknoka, Kurume und Kumamoto macht sich Unzufriedenheit bemerkbar.

Kriegsentschädigung an China

Washington, 21. November. China hat von der russischen Regierung eine Entschädigung von 20 Millionen Dollar gefordert, als Entgelt für die Schäden, welche China während des Russisch-Japanischen Krieges[1] erlitten hat.

Vorwärts (Berlin),

Nr. 274 vom 22. November 1905.

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[1] Im Russisch-Japanischen Krieg, den Japan im Januar 1904 begonnen hatte und der im September 1905 mit einer schweren Niederlage der russischen Truppen endete, ging es um Einflußsphären und Vorherrschaft im Fernen Osten. Die Niederlage schwächte den Zarismus und verschärfte die revolutionäre Krise in Rußland.