Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 1.1, 8., überarbeitete Auflage, Karl Dietz Verlag Berlin 2007, S. 539

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Die Zusammenstellung der statistischen Ergebnisse von 1895 und 1882 führt Bernstein mehrmals vor. Was zeigt uns diese Zusammenstellung? Wollte man bloß Bernstein widerlegen, so könnte man sich die Arbeit sehr leicht machen: Man brauchte bloß ihn selbst sprechen zu lassen. Noch im November 1896 schrieb Bernstein nach einer eingehenden Prüfung derselben statistischen Tabellen von 1895 und 1882 in der „Neuen Zeit“:

„Berücksichtigt man die bedeutenden Verschiebungen in der Verteilung der Arbeitstätigen nach Betriebsklassen, wie sie die neueste Gewerbestatistik aufzeigt, hält man dazu die unbestrittene und unbestreitbare Tatsache, daß die Produktivkraft der Arbeit in den großen Betrieben am stärksten gestiegen ist, so wird man die Folgerung nicht zu kühn finden, daß, wenn 1882, gering gerechnet, zwischen 47 und 54 Prozent der Gesamtproduktion in Industrie und Gewerbe auf die fabrikmäßige Großindustrie entfiel, der Anteil dieser heute nicht geringer als zwischen 60 und 70 Prozent der Gesamtproduktion sein kann. Zwei Drittel, wenn nicht drei Viertel der gewerblichen Produktion Deutschlands gehören der fabrikmäßigen Großproduktion, dem kollektivistischen Großbetrieb. Die Tatsache wird dem Auge durch tausend Umstände verdeckt, vor allem dadurch, daß ein sehr großer Teil dieser Produkte der großen Industrie Halbfabrikate sind und ein anderer uns durch Personen vermittelt wird, die nur scheinbar an seiner Herstellung beteiligt, in Wirklichkeit in bezug auf sie nichts als Händler sind. Aber an ihrer Richtigkeit scheint kein Zweifel möglich.“[1]

Bernstein selbst konstatierte also vor kurzem, daß die fabrikmäßige Großindustrie, die 1882 erst die Hälfte der nationalen Produktion lieferte, dreizehn Jahre später bereits zwei Drittel, wenn nicht drei Viertel derselben erzeugte. Das ist also nicht nur eine unzweifelhafte, sondern sogar eine sehr rapid vor sich gehende Konzentration.

Dieselbe Tatsache kommt zum Vorschein, wenn wir die Zahl der Betriebe in den einzelnen Betriebsgrößen vergleichen: Während die Gesamtzunahme der Betriebe von 1882 bis 1895 4,6 Prozent betrug, vermehrten sich die Kleinbetriebe (1–5 Personen) um 1,8 Prozent, die Riesenbetriebe (über 1000 Arbeiter) um 100 Prozent!

Der Anteil der Kleinbetriebe an der Gesamtsumme der Betriebe ist freilich immer noch ein riesiger (1882 96 Prozent, 1895 93 Prozent), aber das Bild ändert sich, wenn wir die beschäftigten Personen in Betracht ziehen. Die Gesamtzahl der im Gewerbe beschäftigten Personen wuchs in dem genannten dreizehnjährigen Zeitraum um 40 Prozent, die der im

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[1] Eduard Bernstein: Probleme des Sozialismus. In: Die Neue Zeit (Stuttgart), 15. Jg. 1896/97, Erster Band, S. 310 f.