Rosa Luxemburg: Gesammelte Werke, Bd. 1.1, 8. überarbeitete Auflage, Berlin 2007, S. 39

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mit zwei Punkten von allgemeiner und prinzipieller Bedeutung befassen: mit der Resolution zum Londoner Kongreß[1], die Haecker auch als diejenige der galizischen Partei verteidigt, und mit den sozialen Verhältnissen Russisch-Polens, von denen er ganz abenteuerliche Begriffe zutage gefördert hat, die jedoch bei der Beurteilung der polnischen Frage entscheidend sind.[2]

I

Die Resolution zugunsten der Wiederherstellung Polens, die vor den Londoner Kongreß kommen soll, lautet:

„In Erwägung, daß die Unterjochung einer Nation durch die andere nur im Interesse der Kapitalisten und Despoten liegen kann, für das arbeitende Volk hingegen, sowohl für das der unterdrückten wie auch für das der unterdrückenden Nation, gleich verderblich ist; daß besonders das russische Zarentum, das seine inneren Kräfte und seine äußere Bedeutung aus der Unterjochung und Teilung Polens zieht, eine dauernde Gefahr für die Entwicklung der internationalen Arbeiterbewegung bildet, erklärt der Kongreß: daß die Unabhängigkeit Polens eine sowohl für die gesamte

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[1] Der Internationale Sozialistische Arbeiter- und Gewerkschaftskongreß zu London fand vom 27. Juli bis 1. August 1896 statt.

[2] Haedter glaubte seine Entgegnung mit einigen Bemerkungen persönlichen Charakters einleiten zu müssen, die ich um so weniger auf mir sitzen lassen möchte, als sie auch die Organisation, der ich angehöre, treffen, und die ich hier noch kurz beantworten will.

1. Die von Haecker aufgewärmte Ente, als hatte ich in dem „Sozialist“, Organ der Unabhängigen, oder überhaupt je „gegen die Polnische Sozialistische Partei“ geschrieben, wurde von mir schon im „Vorwärts“, Nr. 241 vom Jahre 1893, als solche bloßgestellt. Seltsam, daß Haecker gerade diese Berichtigung übersehen hat! Das Lächerliche dabei ist aber, daß der inkriminierte Artikel gegen mich und meine Genossen polemisiert.

2. Die „Sprawa Robotnicza“ (Arbeitersache) ist nicht eingegangen. Ihr Erscheinen wurde nur für einige Zeit eingestellt infolge der Massenverhaftungen, die unsere Partei heimgesucht, jetzt erscheint schon ihre 24. Nummer.

3. Die Sozialdemokratie Russisch-Polens war weder 1893 aus irgendeiner Partei ausgetreten, noch hat sie sich jetzt mit irgendeiner vereinigt. Diese ungenaue Kenntnis unseres Parteilebens verdankt Haecker den tendenziösen Schriften der Londoner Sozialpatrioten, aus denen er seine obigen Informationen wie auch das angebliche „Dokument“ über die Vereinigung der Sozialdemokratie mit den Sozialpatrioten geschöpft hat und an denen nichts Wahres ist.

4. Haecker sucht meine Ansichten über den Sozialpatriotismus mit meiner Relegation von dem Züricher Kongreß in Zusammenhang zu bringen. Ein solcher Zusammenhang besteht allerdings, aber in einem umgekehrten Sinne: Die Ansichten. die ich hier vertrete, waren bereits in dem Bericht über die sozialdemokratische Bewegung in Russisch-Polen [siehe GW, Bd, 1/1, S. 5–13] niedergelegt, mit dem ich auf dem Züricher Kongreß erschienen war, und eben dieser Bericht war die eigentliche Ursache meiner Relegation, wie dies in zwei galizischen Parteischriften („Lemberger Arbeiterkalender für 1894“ und „Kurze Geschichte der galizischen Bewegung“ von Zegota) deutlich genug ausgesprochen wurde. (Fußnote im Original.)