Rosa Luxemburg: Gesammelte Werke, Bd. 1.1, 8. überarbeitete Auflage, Berlin 2007, S. 159

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strien in allen Hauptpunkten miteinander vergleichen, um auf Grund zahlenmäßiger Beweise einen objektiven Begriff von denselben zu gewinnen.

2. Industrielle Produktionsbedingungen in Polen und in Rußland

1. Heizmaterial. Eine der weitaus wichtigsten Produktionsbedingungen für jede Fabrikindustrie ist das Heizmaterial. Für die polnische wird gerade dieses Moment von mehreren Forschern als entscheidendes in ihrer Entwicklung angesehen und als das wichtigste in ihrem Konkurrenzkampf mit der russischen Industrie betrachtet. So sagt der Bericht der erwähnten Kommission vom Jahre 1886: „Das Heizmaterial ist zweifellos derjenige Faktor der Produktion, welcher den wichtigsten Unterschied in den Produktionsbedingungen der zentralen Gouvernements und des Königreichs Polen ausmacht.“[1] Die polnische Industrie besitzt große und reiche Kohlenwerke, während das Zentrum der russischen Industrie, der Moskauer Rayon, von den Kohlenwerken des Reviers Donez weit entfernt liegt und hauptsächlich auf teure Holz- oder Torfheizung angewiesen ist. „Der Preis des Holzes im Moskauer Gouvernement wird mit jedem Tage höher, und nach den Berechnungen des Ingenieurs Belikow kostet im Durchschnitt ein Pud Holz 11,6 bis 13,1 Kopeken. Der Torf, dessen Verwendung in den Fabriken rasch wächst und der schon um Moskau im Umfange von 100000 Klafter jährlich gebraucht wird, kommt hauptsächlich infolge großer Transportkosten auf 12, sogar auf 16 Kopeken per Pud, und seine Verwendung ist überhaupt nur dann für eine Fabrik von Vorteil, wenn dieselbe in nächster Nähe der Torfmoore liegt.“ Die russische Kohle kostet in Moskau 13,3 Kopeken (aus Tula), 17,5 (aus Rjasan) und 25 Kopeken (vom Revier Donez). Auch die englische Kohle kostet 25 Kopeken pro Pud. „Um wieviel die meist verwendeten Heizmittel – Holz und Torf – bei gleichzeitig gegebener Unmöglichkeit, sie durch die noch teurere Kohle zu ersetzen, relativ teurer sind und wie wesentlich diese Frage für die russische Industrie ist, kann man nach dem folgenden beurteilen: Die mittlere Wärmeerzeugung ist nach den Berechnungen desselben Ingenieurs Belikow bei Holz 2 430 ° (F. C.) bis 2 700 °, bei Moskauer Torf 1920 bis 2800 °, dieselbe Wärmeerzeugung ist bei der Kohle sogar aus Tula 3280 °, bei der Kohle vom Donez aber und bei der englischen übersteigt sie weit 5 000 °.“[2]

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[1] Berichte der Kommission zur Untersuchung …, I, S. 30. [Fußnote im Original]

[2] 1. c., I, S. 30 f. [Fußnote im Original]