sprechen, daß sie vielmehr beständig ineinandergreifen. Aber auch als Ganzes ist die polnische Industrie durch Interessensolidarität mit manchen wichtigen Gruppen der russischen Bourgeoisie verbunden, so vor allem mit den zwei äußerst wichtigen Faktoren des ökonomischen Lebens: den Verkehrs- und den Kredit- und Handelsanstalten. Es liegt auf der Hand, daß die Entwicklung der polnischen Industrie und, was damit zusammenhängt, des polnischen Warenabsatzes in Rußland in direktem Interesse der russischen Kredit-, Kommissions- und Eisenbahngesellschaften liegt. Um wiederum aus der Fülle der einschlägigen Beispiele nur zwei herauszugreifen, wendet sich im Herbst 1894 die Verwaltung der russischen Eisenbahnlinie Rjasan–Ural an das Warschauer Unternehmertum mit der Offerte, auf allen ihren Stationen unentgeltlich Plätze hergeben zu wollen, damit die polnischen Fabrikanten dort permanente Warenausstellungen zur Förderung des polnischen Absatzes in den Wolgagegenden errichten.[1] Während also die Moskauer Fabrikanten ihren polnischen Konkurrenten jeden Absatzmarkt in Rußland streitig machen wollen, fordern die russischen Eisenbahngesellschaften die polnische Konkurrenz selbst auf, mit ihren Waren möglichst weit ins Innere Rußlands vorzudringen.
Ein anderer charakteristischer Fall spielte sich jüngst aus Anlaß des neuen Zolltarifs für Baumwolle ab. Solange die erwähnte Zolldifferenz an der westlichen Grenze aufrechterhalten wurde, bezogen die Łódźer Fabrikanten ihre Baumwolle, um den unbequemen Zoll zu umgehen, über Libau und Odessa, d. h. vermittelst russischer Eisenbahnen. Als nun die Zolldifferenz 1894 aufgehoben wurde, kehrten die Baumwolltransporte auf die alten Landwege: Bremen–Alexandrowo und Triest–Granica, also auf deutsche und österreichische Eisenbahnen, zurück. Jetzt benutzten die letzteren diese Gelegenheit, um sehr niedrige Tarife für Baumwolle einzusetzen und so auf Kosten der Linie Odessa– Łódź die Transporte für sich zu monopolisieren. Der Verlust der Transporte traf aber die russischen Eisenbahnen erheblich, und so hat sich jüngst das St-Petersburger Eisenbahndepartement an die Łódźer Fabrikanten mit der Anfrage gewendet, um wieviel die Tarife auf den russischen Linien herabzusetzen seien, damit die Baumwolltransporte wieder über Odessa gehen. Die Angefragten diktierten eine Tarifherabsetzung von 30 %.[2] Desgleichen leisten die russischen Banken in eigenem Interesse dem polnischen Waren-