Gouvernements, ist verhältnismäßig arm an Wasserstraßen“[1] usw. im gleichen weinerlichen Tone. Hier ergießt sich die Eifersucht der Moskauer Kapitalisten mit Unparteilichkeit und wahrer Internationalität auf alle andern Industrierayons des Reiches ohne Unterschied, auf Polen wie auf die Wolgagegend, auf die Ostseeprovinzen wie auf den Dneprdistrikt.
Ein wie dehnbarer Begriff die nationale Zusammengehörigkeit und das „Vaterland“ andererseits für den polnischen Kapitalisten unter Umständen sein kann, zeigt der folgende Fall. Im Jahre 1887 wurde die große Warschauer Stahlfabrik, um sich den Bezugsquellen des Roheisens und des Kokses zu nähern, nach dem Gouvernement Jekaterinoslaw in Südrußland verlegt. Zwei Jahre später richten schon ihre Eigentümer – polnische Kapitalisten – zusammen mit den Engländern, Belgiern, Russen u. a., die das südrussische Eisenrevier unter ihrer Botmäßigkeit haben, eine aller-untertänigste Petition an die Regierung, wo sie sich über die Vorteile der polnischen Eisenindustrie und die Konkurrenz ihrerseits beschweren und um erhöhte Eisenbahntarife für das polnische Eisen zum Schutze der „vaterländischen“, d. h. diesmal der südrussischen Industrie ersuchen.
Ein klassisches Beispiel dieser Verhältnisse hat endlich in den letzten Jahren die Frage der Eisenbahntarife für Getreide geliefert. Im Jahre 1889 wurden bei der allgemeinen Regulierung des Tarifwesens im Reiche auch für Getreide neue stark differenzierte Tarife eingeführt, um die Ausfuhr aus weit im Innern Rußlands gelegenen Gouvernements nach dem Auslande zu erleichtern. Nun hatte dies aber zur Folge, daß sich Massen von Getreide und Mehl aus den inneren Gegenden, besonders aus dem Wolgadistrikt, in die an der Grenze liegenden richteten und ebenso in den südlichen am Schwarzen Meere wie in den Ostseeprovinzen wie endlich in Polen ein rapides Sinken der Getreidepreise nach sich zogen. Die in ihren besten Gefühlen verletzten Grundbesitzer aller erwähnten Reichsteile erhoben ein Zetergeschrei, am meisten aber die polnischen, welche im Anfang versuchten, bei dieser Gelegenheit auch im Namen des ganzen vom billigen Brot bedrückten Polens aufzutreten. Kaum aber sollte ihre nationale Verteidigung von Erfolg gekrönt und die verwünschten Tarife anfangs 1894 teilweise abgeschafft werden, als schon eine Gruppe polnischer Unternehmer und Kaufleute das Eisenbahndepartement in St. Petersburg telegraphisch beschwor, die früheren Tarife beizu-
[1] „Nowoje Wremja“ übersetzt im „Kraj“, Nr. 51, 1894. Der angeführte Artikel trägt die charakteristische Überschrift: „Wie das zentrale Rußland vernachlässigt wird!“ [Fußnote im Original]