Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 1.1, 8., überarbeitete Auflage, Karl Dietz Verlag Berlin 2007, S. 774

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tionsumfanges.“ (S. 87.) Aber soeben hörten wir ja, daß die Arbeiterforderungen zur Erweiterung und technischen Verbesserung, d. h., zur Anfeuerung der Produktion führen, und zwar nicht zur Ausgleichung der „zunächst“ eingetretenen Stagnation, sondern direkt zur Vergrößerung des abgebröckelten Profits, d. h. über den früheren Umfang des Betriebs hinaus!

Das Dauermittel jedoch, das Radikalmittel gegen Krisen darf ein deutscher Professor, will er die heiligsten Traditionen der deutschen Nationalökonomie nicht mit Füßen treten, beileibe nicht mit dem wissenschaftlichen Forscher in den Produktionsverhältnissen, sondern mit dem Krämer in den Verteilungsverhältnissen suchen. „Aber auch auf die Dauer wirkt die Steigerung des Anteils der Arbeiterklasse am Produktionsertrage, wie sie die Gewerkvereine erstreben, krisenmindernd; denn sie hebt den Wohlstand der Massen, weitet deren Konsumfähigkeit aus, festigt also den Absatz in den am letzten Ende doch ausschlaggebenden Reihen der großen Menge und damit den ungestörten Verlauf der wirtschaftlichen Produktion.“ (S. 87.) Daß dem einzelnen Unternehmer, dessen Gesichtspunkt die Vulgärökonomie stets treu widerspiegelt, die „Wohlhäbigkeit“ der Arbeitermasse, wie der Herr Professor sagt, als ein Mittel gegen die Absatzstockung in seinem Warendepot erscheinen mag, darüber besteht kein Zweifel. Aber für alle Unternehmer zusammen, für die Klasse, läuft das pfiffige Mittel des Herrn Sombart darauf hinaus, daß sie aus eigener Tasche die Kaufkraft der Masse der Konsumenten vergrößern sollen, um ihnen dann mehr Waren verkaufen zu können. Wäre es nicht einfacher, direkt den Unternehmern auseinanderzusetzen, sie sollten durch periodische Verschenkung des überschüssigen Warenvorrats an die Gewerkschaftler „den ungestörten Verlauf der wirtschaftlichen Produktion“ sichern? Wir fürchten nur, daß unsere „königlichen Kaufleute“ und „genialen Unternehmer“, genial wie sie sind, ihm kurz erwidern werden: Herr Professor, Sie haben vergessen, daß die Vulgärökonomie zur Nasführung der Arbeiter und nicht zur Nasführung der Kapitalisten erfunden wurde!

Das Schönste an der Sombartschen Krisenkur liegt übrigens in der Annahme, daß man überhaupt durch Erweiterung des Absatzes „dauernd“ Stockungen vorbeugen könne! Das ist ja gleichfalls ein altes ehrwürdiges Möbelstück aus dem Hausgerät der „deutschen Wissenschaft“, siehe Herrn Eugen Dühring. Aber, bemerkt Herr Sombart melancholisch, „es gibt keine Theorie, die so falsch und so oft widerlegt wäre, daß sie nicht doch immer wieder von Zeit zu Zeit zum Leben erwachte und ungeübte Köpfe eine Weile lang zu verwirren vermöchte“ (S. 68). Schlimmer ist es schon,

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