Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 1.1, 8., überarbeitete Auflage, Karl Dietz Verlag Berlin 2007, S. 381

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geschlossen. Der schließliche ökonomische Zweck und die Wirkung der Unternehmerverbände besteht darin, durch den Ausschluß der Konkurrenz innerhalb einer Branche auf die Verteilung der auf dem Warenmarkt erzielten Profitmasse so einzuwirken, um den Anteil dieses Industriezweiges an ihr zu steigern. Die Organisation kann in einem Industriezweig nur auf Kosten der anderen die Profitrate heben, und deshalb kann sie eben unmöglich allgemein werden. Ausgedehnt auf alle wichtigeren Produktionszweige, hebt sie ihre Wirkung selbst auf.

Aber auch in den Grenzen ihrer praktischen Verwirklichung[1] wirken die Unternehmerverbände gerade entgegengesetzt der Beseitigung der industriellen Anarchie. Die bezeichnete Steigerung der Profitrate erzielen die Kartelle auf dem inneren Markte in der Regel dadurch, daß sie die zuschüssigen Kapitalportionen, die sie für den inneren Bedarf nicht verwenden können, für das Ausland mit einer viel niedrigeren Profitrate produzieren lassen.[2] Das Ergebnis ist die verschärfte Konkurrenz im Auslande, die vergrößerte Anarchie auf dem Weltmarkt, d. h. gerade das Umgekehrte von dem, was erzielt werden will. Ein Beispiel davon – die jetzigen Verhältnisse in[3] der internationalen Zuckerindustrie.

Endlich im ganzen als Erscheinungsform der kapitalistischen Produktionsweise dürfen die Unternehmerverbände bloß[4] als ein Übergangsstadium, als eine bestimmte Phase der kapitalistischen Entwicklung aufgefaßt werden. In der Tat! In letzter Linie betrachtet, sind die Kartelle eigentlich ein Mittel der kapitalistischen Produktionsweise, den fatalen Fall der Profitrate in einzelnen Produktionszweigen aufzuhalten. Welches ist aber die Methode, der sich die Kartelle zu diesem Zwecke bedienen? Im Grunde genommen ist es nichts anderes als die Brachlegung eines Teiles des akkumulierten Kapitals, d. h. dieselbe Methode, die in einer anderen Form in den Krisen zur Anwendung kommt. Ein solches Heilmittel gleicht aber der Krankheit wie ein Regentropfen[5] dem anderen und kann nur bis zu einem gewissen Zeitpunkt als das kleinere Übel gelten. Beginnt sich der Absatzmarkt zu verringern[6] – und der frühere oder spätere Eintritt eines solchen Moments kann offenbar nicht geleugnet werden –, dann nimmt auch die erzwungene teilweise Brachlegung des Kapitals einen solchen

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[1] 2. Auflage: Anwendung.

[2] 2. Auflage: eingefügt „ , d. h. ihre Waren im Auslande viel billiger verkaufen als im eigenen Lande“.

[3] 2. Auflage: davon bietet die Geschichte.

[4] 2. Auflage: wohl nur.

[5] 2. Auflage: Ei.

[6] 2. Auflage: eingefügt „ , indem der Weltmarkt bis aufs äußerste ausgebildet und durch die konkurrierenden kapitalistischen Länder erschöpft wird“.