Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 7.2, 1. Auflage, Karl Dietz Verlag Berlin 2017, S. 725

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die Arbeiterklassen ausgedehnt werden dürfe. Sie erwähnt das Wettrüsten, das seit 1870/71 eingesetzt habe und das jede Nation zu immer weiteren Ausgaben auf dem Gebiete des Militarismus veranlasse, während notwendige Kulturaufgaben leiden müßten. Die Entscheidung über Krieg und Frieden dürfe nicht in der Hand eines Einzelnen liegen, sondern müsse der Masse des Volkes vorbehalten bleiben. Einem jeden Arbeiter, der zur Verteidigung des Landes berufen sei, müsse die Waffe mit in das Haus gegeben werden, doch dazu fehle es den herrschenden Klassen an Mut. Dieses war ungefähr der Ton, auf den die Ausführungen der Rednerin gestimmt waren. Sie wendet sich dann noch kurz gegen die bürgerlichen Parteien und deren Kandidaten in unserem Wahlkreise und kommt zu dem Schlusse, daß jeder Wähler dem sozialdemokratischen Kandidaten seine Stimme geben könne.

Arnstädter Nachrichten- und Intelligenzblatt,

Nr. 4 vom 6. Januar 1912.[1]

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[1] Die Versammlung sei überfüllt gewesen, heißt es in dem Blatt, „so daß zeitweise der Zutritt weiterer Zuhörer polizeilich untersagt wurde; auch eine große Zahl bürgerlicher Wähler hatte sich zu der Versammlung eingefunden, um die viel genannte Rednerin kennenzulernen“. Dagegen sei es bedauerlich, wie der sozialdemokratische Versammlungsleiter und Vorsitzende des Landesvereins, Kraußer, am Ende bemerkte, „daß die Sozialdemokratie bei den Versammlungen der bürgerlichen Parteien ausgeschlossen werde und ihr dadurch die Möglichkeit genommen werde, die gegen die Sozialdemokratie gerichteten Ausführungen zu widerlegen“.