Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 1.2, 7., überarbeitete Auflage, Karl Dietz Verlag Berlin 2000, S. 103

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Kabinetts, Peytral, zählt; neben halbanarchistischen Gewerkschaftern, die gegen alle „Politiker“ wettern, sozialistelnde Radikale, denen die Politik und namentlich der Parlamentarismus alles ist, neben ausgesprochenen Gegnern der sozialistischen Ministerschaft, wie den Allemanisten, glühende Anhänger des Regierungssozialismus, die von ihm alles Heil erwarten.

Aber gerade die Buntscheckigkeit der in Lyon gebliebenen Elemente, deren Vereinigung mit den alten sozialistischen Parteien für heute eine Unmöglichkeit war, läßt ihre vorläufige Verbindung untereinander zu einer Partei als einen großen Fortschritt erscheinen, der für die weitere Entwicklung zur vollkommenen sozialistischen Einigkeit in Frankreich mannigfach eine Vorstufe bildet. In welcher Weise diese Entwicklung von der in Lyon organisierten Partei fortab durchgemacht wird, das hängt wesentlich von dem Verhalten der übrigen sozialistischen Gruppen ab.

Nachdem die Parteien von Guesde–Lafargue wie von Vaillant und seinen Freunden sich von der Jaurèsschen Richtung endgültig getrennt haben, steht die Vereinigung ihrerseits zu einer Partei auf der Tagesordnung. Hindernisse für diese Vereinigung bestehen nun keine mehr. War die Verschmelzung mit Elementen, die auf einem ganz anderen Boden standen, unmöglich, so ist sie unter Organisationen, die ihre Übereinstimmung in allen Grundfragen des Prinzips und der Taktik bereits durch eine zweijährige gemeinsame Aktion bewiesen haben, etwas Selbstverständliches. Ja diese Einigung ist bereits so weit vorbereitet, daß es nur eines letzten Aktes bedarf, um sie zu vollenden. Seit Monaten ist nämlich von den genannten Gruppen ein gemeinsames Einigungsprojekt in allen Details ausgearbeitet worden, das, unter vorläufiger Aufrechterhaltung der bestehenden Parteiorganisationen, zugleich ihre Verschmelzung zu einer Partei auf den Grundlagen departementaler Föderationen, eines gemeinsamen Generalkomitees und jährlicher Parteikongresse vorsieht. Dieses Projekt ist von der Französischen Arbeiterpartei einem Referendum ihrer Gruppen in ganz Frankreich unterzogen und bereits von zahlreichen Sektionen mit großer Begeisterung akzeptiert worden. Einstimmig wurde es angenommen durch die Fédération Centrale der Französischen Arbeiterpartei noch am 24. Februar, durch die Fédération de la Dame am 17. Februar. Dieselbe Aufnahme hat der Einigungsplan bei den Anhängern und Alliierten der Sozialistisch-revolutionären Partei gefunden.

Zum Überfluß erklärte der Nationalrat der Französischen Arbeiterpartei am 24. März d. J. in Ivry in einem Manifest, worin die Gründe der Nichtbeschickung des Kongresses in Lyon seitens der genannten Partei dargelegt wurden:

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