Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 3, 6., überarbeitete Auflage, Karl Dietz Verlag Berlin 2003, S. 357

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  1. die Unregelmäßigkeit der russischen Vertretung im Internationalen Büro, die darauf beruht, daß beide sozialdemokratischen Vertreter im Jahre 1910 durch das Zentralkomitee der einigen Partei gewählt worden waren, um die Einigkeit der Partei zu vertreten, während tatsächlich einer dieser Vertreter seit 1912 bloß eine von ihm ins Leben gerufene Sonderorganisation[1] vertritt.

Wir beantragen, daß das Internationale Büro zu diesen Fragen Stellung nimmt und gleichzeitig Schritte unternimmt, welche die Herbeiführung der Einigkeit beschleunigen könnten. Sollten diese Schritte erfolglos bleiben, so wäre die Frage der sozialdemokratischen Einigkeit in Rußland auf die Tagesordnung des Internationalen Kongresses in Wien[2] zu stellen, analog zu der Behandlung der französischen Einigkeit auf dem Amsterdamer Kongreß[3].“

Vorwärts (Berlin),

Nr. 306 vom 21. November 1913.

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[1] Auf der VI. Gesamtrussischen Konferenz der SDAPR in Prag im Januar 1912 waren die liquidatorischen Menschewiki aus der Partei ausgeschlossen, ein Zentralkomitee mit W. I. Lenin an der Spitze gewählt und für die praktische Leitung der Parteiarbeit in Rußland das Russische Büro des Zentralkomitees geschaffen worden. Damit hatte sich endgültig die selbständige bolschewistische Partei formiert.

[2] Der für die Zeit vom 23. bis 29. August 1914 nach Wien einberufene Internationale Sozialistenkongreß wurde durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges verhindert.

[3] Auf dem Internationalen Sozialistenkongreß vom 14. bis 20. August 1904 in Amsterdam war eine Resolution für die Einheit der Partei angenommen worden. In ihr wurde die Einigung der sozialistischen Gruppen eines Landes in einer Partei auf der Grundlage der von den Internationalen Kongressen bestimmten Prinzipien gefordert. Diese Resolution war besonders im Hinblick auf die Situation in Frankreich gefaßt worden. – Im April 1905 schlossen sich die Parti Socialiste de France (Sozialistische Partei Frankreichs) und die Parti Socialiste Française (Französische Sozialistische Partei) zur Parti Socialiste (Section Française de l'Internationale Ouvrière) [Sozialistische Partei (Französische Sektion der Arbeiterinternationale)] zusammen.