Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 3, 6., überarbeitete Auflage, Karl Dietz Verlag Berlin 2003, S. 18

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Die Marokkokrisis und der Parteivorstand

Auf die im heutigen „Vorwärts“ veröffentlichte Erklärung aus dem Parteibüro[1] habe ich als Verfasserin des angegriffenen Artikels der „Leipziger Volkszeitung“[2] folgendes zu erwidern:

1. Daß die Demonstrationsversammlung in der „Neuen Welt“[3] unter Mitwirkung der Partei ausgeführt wurde, war nicht bloß in meinem Artikel nicht bestritten, sondern war von mir selbst hervorgehoben. Trotzdem bleibt es strikteste Wahrheit, daß diese Demonstration „lediglich den Führern unsrer Gewerkschaftsbewegung zu verdanken war“, denn sie ist lediglich aus Anlaß des zufällig in dem Moment erfolgten Besuchs französischer Gewerkschafter auf Grund einer Einladung deutscher Gewerkschafter zustande gekommen. Meine Frage also „Wo war aber die Partei bei dieser Gelegenheit?“ findet ihre Antwort nicht in der mir vom Parteibüro unterstellten Behauptung, als sei die Partei gar nicht dabeigewesen, sondern die Antwort lautet so, wie ich sie selbst klar und deutlich formuliert habe: Die Partei war im Schlepptau der Gewerkschaften, statt an der Spitze der Protestaktion mit der Initiative voranzugehen.

2. Das Parteibüro erklärt:

„Es heißt dann weiter, daß der Berliner Demonstration eine solche in Paris folgen würde, die von den deutschen und französischen Gewerkschaften veranstaltet würde.[4] Auch das ist unwahr.“ Den Beweis dafür glaubt das Parteibüro damit zu erbringen, daß es hervorhebt, zu dieser Pariser Demonstration seien „die sozialistischen Parteien und die Ge-

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[1] Die sozialdemokratische Partei und die Marokkofrage. In: Vorwärts (Berlin), Nr. 180 vom 4. August 1911.

[2] Siehe S. 12–17.

[3] Siehe S. 12, Fußnote 1.

[4] Siehe S. 16, Fußnote 2.