Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Karl Dietz Verlag Berlin, Bd. 4, S. 185

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eine Filiale der Heydebrand[1] und Genossen. Wie diese Kriegshetzer und ihre Regierung uns durch den Belagerungszustand mundtot machen wollen, um auf unserem Rücken ihre kapitalistischen Geschäfte zu besorgen, so wollen die Scheidemann, Heine, David und Genossen ihre Mandate und ihre Ämter ausnutzen, um alle widerstrebenden Elemente, alle sozialistische Opposition innerhalb der Partei zu erdrosseln. Parteigenossen und -genossinnen! Die Partei, das sind nicht Funktionäre, Abgeordnete oder Redakteure, die Partei, das sind die Massen der organisierten Proletarier, das ist der Geist des sozialistischen Klassenkampfes. Die Partei seid ihr! Drum frisch ans Werk, um die Partei zurückzuerobern, die von einem Klüngel von Verrätern in hohen Ämtern zum Anhängsel des bürgerlichen Imperialismus gemacht worden ist. Laßt euch den Staatsstreich der Verräter vom 24. März nicht gefallen. Erklärt laut, daß ihr die Fraktionsmehrheit der David, Heine, Noske nicht mehr als sozialdemokratische Vertretung anerkennt, fordert laut von den Verrätern die Niederlegung ihrer verwirkten Mandate.

Hört auf, eure Parteigelder an diesen Parteivorstand abführen zu lassen, denn er gebraucht eure sauer verdienten Groschen zur Förderung einer Politik, zur Herausgabe von Schriften, die euch zum geduldigen Kanonenfutter des Imperialismus machen wollen, die zur Verlängerung des Völkermordes dienen. Die Organisationen müssen sich entschließen, die Parteigelder dem Parteivorstand der Scheidemann-Ebert zu sperren, welche die Volksgroschen dem Moloch des Weltkrieges und der Regierung der Hungersnot und des Belagerungszustands bewilligen.

Der Belagerungszustand im Reich wie der Belagerungszustand in der Partei kann nur überwunden werden, wenn die aufgeklärten Massen der Proletarier und Proletarierinnen sich dazu aufraffen, ihren Willen tatkräftig kundzutun und durchzusetzen. Der 24. März hat bewiesen, daß unter der Diktatur der jetzigen Parteiinstanzen nicht die schwächste Regung einer sozialistischen Politik möglich ist. Er hat zugleich bewiesen, daß der Weg der Halbheiten und der Fügsamkeit jenen Instanzen gegenüber der längste und beschwerlichste Weg ist, an dessen Ende eine klare Scheidung und Entscheidung doch unvermeidlich wird. Zeigt, daß ihr wißt, was ihr wollt, und daß ihr entschlossen seid, euren Willen in Taten umzusetzen. Die Organisation, die Disziplin – sie sollen dazu dienen, euren Willen, den Willen der Massen, zur Tat zu schmieden, nicht dazu, euch zum Werkzeug des Willens einer kleinen Minderheit von Funktionären und Abge-

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[1] Ernst von Heydebrand und der Lasa war von 1914 bis 1918 Vorsitzender der Deutschkonservativen Partei.