Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 4, 6., überarbeitete Auflage, Karl Dietz Verlag Berlin 2000, S. 169

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sie ist eine Frage der Massenbewegung des zum Sozialismus zurückkehrenden Proletariats aller Länder. Im Unterschied von der am 4. August 1914 aufgelösten Internationale, die bloße äußere Instanz war und deren Existenz nur im losen Zusammenhang kleiner Gruppen von Partei- und Gewerkschaftsführern bestand, muß die neue Internationale, um eine wirkliche politische Macht zu sein, in der Gesinnung, der Aktionsfähigkeit und der täglichen Praxis der breitesten proletarischen Massen wurzeln. Die Internationale wird genau in dem Maße und durch denselben Prozeß von unten auferstehen, wie die Arbeiterklasse in allen kriegführenden Ländern, sich von den Fesseln des Burgfriedens und von den vergiftenden Einflüssen ihrer offiziellen Führer befreiend, in den revolutionären Klassenkampf stürzen wird. Das erste Wort dieses Kampfes muß die systematische Massenaktion zur Erzwingung des Friedens sein, und diese allein kann auch die Geburtsstunde der neuen, lebendigen, wirksamen Internationale werden.

Als ein Symptom, daß sich die Orientierung der sozialistischen Kreise verschiedener Länder in der angegebenen Richtung bereits anbahnt und der Internationale Zusammenschluß für diese Kreise in wachsendem Maße ein Bedürfnis ist, begrüßt die Konferenz die Richtung der „Internationale”, d. h. der auf dem Boden der „Leitsätze” vereinigten Opposition der deutschen Sozialdemokratie, die aus der Zimmerwalder Zusammenkunft entstandene Konferenz im Haag und erwartet, daß ihre Äußerungen einen neuen Impuls abgeben werden, um die Geburt der Internationale aus dem tatkräftigen Willen der proletarischen Massen zu beschleunigen.

III Resolution über die Aufgaben sozialdemokratischer Abgeordneter für die Beendigung des Krieges

[1]

Die Situation, die in Deutschland nach bald zweijähriger Dauer des Krieges geschaffen ist, bedeutet schon jetzt den Bankrott des Imperialismus. Während der Krieg militärisch in eine Sackgasse geraten ist, so daß die rein militärische Entscheidung des Weltkrieges heute noch aussichtsloser erscheint als zu Beginn des ruchlosen Völkermordes, endlich die wachsende Teuerung, die für breite Volksmassen nichts anderes als ein tatsächliches Hungern bedeutet, die furchtbaren Verluste an Toten und Krüppeln, die in die Millionen gehen, die erdrückende ungeheure Finanzlast, die

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[1] Redaktionelle Überschrift. – Diese Resolution wurde einstimmig angenommen.