Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 5, 4. Auflage, Dietz Verlag Berlin 1990, S. 254

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die Antwort sein, die Marxens russischer Schüler auf eigene Faust abzuleiten versucht.

„Uns“, sagt Bulgakow, „scheint der ganzen Marxschen Lehre die folgende Lösung am besten zu entsprechen. Das neue variable Kapital in Geldform, das II für I wie für sich selbst liefert, findet sein Warenäquivalent im Mehrwert II. Wir haben schon bei der Betrachtung der einfachen Reproduktion gesehen, daß die Kapitalisten selbst das Geld zur Realisierung ihres Mehrwerts in die Zirkulation werfen müssen und dieses Geld schließlich in die Tasche des Kapitalisten, von dem es ausging, zurückkehrt. Das Quantum Geld, das zur Zirkulation des Mehrwerts erforderlich ist, wird nach dem allgemeinen Gesetz der Warenzirkulation bestimmt, durch den Wert der Waren, worin er eingeschlossen ist, geteilt durch die Durchschnittszahl der Umschläge des Geldes. Dasselbe Gesetz findet auch hier Anwendung. Die Kapitalisten II müssen eine gewisse Summe Geldes zur Zirkulation ihres Mehrwerts haben, sie müssen folglich einen gewissen Geldvorrat besitzen. Dieser Vorrat muß genügend groß sein, damit er sowohl für die Zirkulation desjenigen Teils des Mehrwerts ausreicht, der den Konsumtionsfonds darstellt, wie desjenigen, der als Kapital akkumuliert werden soll.“ Weiter entwickelt Bulgakow den Standpunkt, daß es für die Frage, wieviel Geld zur Zirkulation eines bestimmten Warenquantums im Lande erforderlich ist, gar keinen Unterschied machte, ob ein Teil dieser Waren Mehrwert darstellt oder nicht. „Die allgemeine Frage aber, woher das Geld überhaupt im Lande kommt, wird in dem Sinne gelöst, daß dieses Geld durch den Goldproduzenten geliefert wird.“ Wird mit der Erweiterung der Produktion im Lande mehr Geld erforderlich, so wird eben auch die Goldproduktion dementsprechend erweitert.[1] Wir landen also schließlich glücklich beim Goldproduzenten, der schon bei Marx die Rolle des Deus ex machina spielt. Man muß gestehen, daß Bulgakow die gespannten Erwartungen auf seine neue Lösung arg getäuscht hat. „Seine“ Lösung der Frage ist über die von Marx gelieferte Analyse auch nicht um ein Jota hinausgegangen. Sie reduziert sich auf die folgenden äußerst einfachen drei Sätze: 1. Frage. Wieviel Geld ist erforderlich, um den kapitalisierten Mehrwert zu realisieren? Antwort: Soviel wie nach dem allgemeinen Gesetz der Warenzirkulation nötig ist. 2. Frage. Woher nehmen die Kapitalisten dieses Geld, um den kapitalisierten Mehrwert zu realisieren? Antwort: Sie müssen es eben haben. 3. Frage. Woher kommt das Geld überhaupt ins Land? Antwort:

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[1] l. c., S. 50–55. – [Fußnote im Original]