Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 5, 4. Auflage, Dietz Verlag Berlin 1990, S. 496

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lation müssen Länder mit langsamstem und schwächstem Fortschritt sein – das sind: Frankreich, England, Deutschland. Wunderbar, nicht wahr?

Als Krönung des Gebäudes erscheint offenbar die nordamerikanische Union, die es fertigbringt, gleichzeitig das Land mit „dauernder Über-akkumulation“ und „dauernder Unterakkumulation“, mit energischstem technischem Fortschritt und mit langsamstem technischem Fortschritt, mit dauernder Prosperität und dauernder Depression zu sein, denn sie zieht – o Wunder! – gleichzeitig und „dauernd“ sowohl Kapital wie Arbeitskräfte aus anderen Ländern an.

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Konfrontieren wir den Bauerschen „Mechanismus“ mit Marx.

Die Quintessenz der Theorie von Bauer ist die Anpassungstendenz des Kapitals an die vorhandene Arbeiterbevölkerung und ihr Wachstum. Überakkumulation bedeutet ja bei Bauer, daß das Kapital zu schnell wächst im Vergleich mit dem Proletariat, Unterakkumulation, daß es zu langsam wächst im Vergleich mit diesem. Überfluß an Kapital und Mangel an Arbeitskräften, Mangel an Kapital und Überfluß an Arbeitskräften – das sind die beiden Pole der Akkumulation im Bauerschen „Mechanismus“. Was finden wir aber bei Marx?

Bauer flicht mitten in seine Darlegungen einen Passus aus dem dritten Bande des Marxschen „Kapitals” ein, der von der „Überakkumulation” handelt, wodurch der Anschein erweckt wird, als ob die Bauersche Theorie nur eine „einwandfreie” Erläuterung der Marxschen Auffassung wäre. So sagt Bauer, nachdem er bei seinem Zustand der „Überakkumulation“ angelangt ist: „Marx beschreibt den Zustand der Überakkumulation in folgender Weise:

,Sobald also das Kapital gewachsen wäre in einem Verhältnis zur Arbeiterbevölkerung, daß weder die absolute Arbeitszeit, die diese Bevölkerung liefert, ausgedehnt noch die relative Mehrarbeitszeit erweitert werden könnte (das letztre wäre ohnehin nicht tubar in einem Fall, wo die Nachfrage nach Arbeit so stark, also Tendenz zum Steigen der Löhne); wo also das gewachsene Kapital nur ebensoviel oder selbst weniger Mehrwertsmasse produziert als vor seinem Wachstum, so fände eine absolute Überproduktion von Kapital statt; d. h„ das gewachsene Kapital C + AC produzierte nicht mehr Profit oder gar weniger Profit als das Kapital C vor seiner Vermehrung durch AC. In beiden Fällen fände auch ein starker und plötzlicher Fall in der allgemeinen Profitrate statt, diesmal aber

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