Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 5, 4. Auflage, Dietz Verlag Berlin 1990, S. 219

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Kapitalakkumulation, d. h. „Sparen“, Kapitalisierung des Mehrwertes – bloßer Humbug.

Um diesen verworrenen Knäuel von Irrtümern „der Nationalökonomen seit A. Smith“ zu entwirren, nimmt er sich, wie sich von selbst versteht, einen „isolierten Wirt“ vor und weist in einer langen Vivisektion an dem unglücklichen Wurm alles nach, was er braucht. So findet er hier schon das „Kapital“, d. h. natürlich den berühmten „ersten Stock“, womit die Nationalökonomie „seit A. Smith“ die Früchte ihrer Kapitaltheorie vom Baume der Erkenntnis schlägt. Entsteht der Stock etwa aus „Sparen“? fragt Rodbertus. Und da jeder normale Mensch versteht, daß aus „Sparen“ kein Stock entstehen kann, sondern daß sich Robinson den Stock aus Holz verfertigen muß, so ist auch schon bewiesen, daß die „Spartheorie“ ganz falsch sei. Weiter: Der „isolierte Wirt“ schlägt sich mit dem Stock eine Frucht vom Baume, diese Frucht ist sein „Einkommen“. „Wenn Kapital die Quelle von Einkommen wäre, so müßte sich dies Verhältnis schon an diesem ursprünglichen und einfachsten Vorgange nachweisen lassen. Aber kann man, ohne den Dingen und Begriffen Gewalt anzutun, den Stecken die Quelle des Einkommens oder eines Teils des Einkommens nennen, das in der herabgeschlagenen Frucht besteht, dieses Einkommen ganz oder zum Teil auf den Stecken als seine Ursache zurückführen, ganz oder zum Teil als Produkt des Steckens betrachten?“[1] Sicher nicht. Und da die Frucht das Produkt nicht „des Steckens“, womit sie abgeschlagen, sondern des Baumes, auf dem sie gewachsen, so hat Rodbertus auch schon bewiesen, daß alle Nationalökonomen „seit A. Smith“ sich gröblich irrten, wenn sie behaupteten, das Einkommen rühre vom Kapital her. Nachdem so an der „Wirtschaft“ Robinsons alle Grundbegriffe der Nationalökonomie klargelegt sind, überträgt Rodbertus die so gewonnene Erkenntnis zuerst auf eine fingierte Gesellschaft „ohne Kapital- und Grundeigentum“, d. h. mit kommunistischem Besitz, sodann auf die Gesellschaft „mit Kapital- und Grundeigentum“, d. h. auf die heutige Gesellschaft – und siehe da: Alle Gesetze der Robinsonwirtschaft bewähren sich Punkt für Punkt auch in diesen beiden Gesellschaftsformen. Hier stellt Rodbertus eine Theorie vom Kapital und Einkommen auf, die seiner utopischen Phantasie die Krone aufsetzt. Da er entdeckt hat, daß bei Robinson „das Kapital“ schlicht und einfach die Produktionsmittel sind, so identifiziert er auch in der kapitalistischen Wirtschaft Kapital mit Produktionsmitteln, und hat er so das Kapital mit einer Handbewegung auf konstantes Kapital reduziert, so protestiert er im Namen der Gerechtigkeit und der Moral dagegen, daß die Existenzmittel

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[1] I. c., Bd. I, S. 250. – [Fußnote im Original]