Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Karl Dietz Verlag Berlin, Bd. 5, S. 168

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clopédique“ der Aufsatz Sismondis „Sur la balance des consommations avec les productions“.[1]

Ricardo hatte in seinen „Principles“ in der entscheidenden Frage gänzlich die Harmonielehre über das Verhältnis zwischen Produktion und Konsumtion von dem faden Say übernommen. Im Kapitel XXI sagt er: „Say hat genügend nachgewiesen, daß es kein noch so großes Kapital gibt, das nicht in einem Lande angewandt werden könnte, denn die Nachfrage findet nur in der Produktion ihre Grenzen. Niemand produziert außer in der Absicht, sein Produkt selbst zu konsumieren oder es zu verkaufen, und jeder verkauft nur in der Absicht, andere Güter zu kaufen, welche für ihn unmittelbar zur Konsumtion dienen oder aber dazu, in einer künftigen Produktion angewendet zu werden. Derjenige, der produziert, wird also notwendig entweder selbst Konsument seines Produktes oder Käufer und Konsument der Produkte anderer.“

Gegen diese Auffassung Ricardos polemisierte Sismondi heftig schon in seinen „Nouveaux principes“, und die mündliche Debatte drehte sich ganz um die obige Frage. Die Tatsache der Krise, die eben erst in England und in anderen Ländern vorübergezogen war, konnte Ricardo nicht bestreiten. Es handelte sich bloß um ihre Erklärung. Bemerkenswert ist dabei die klare und präzise Stellung des Problems, auf die sich Sismondi mit Ricardo eingangs ihrer Debatte geeinigt hatte: Sie eliminierten beide die Frage des auswärtigen Handels. Sismondi begriff wohl die Bedeutung und die Notwendigkeit des auswärtigen Handels für die kapitalistische Produktion und ihr Ausdehnungsbedürfnis. Darin stand er der Ricardoschen Freihandelsschule[2] in nichts nach. Ja, er überragte sie bedeutend durch die dialektische Auffassung dieser Expansionstendenz des Kapitals, er sprach offen heraus, daß die Industrie „genötigt wird, auf fremden Märkten ihre Absatzwege zu suchen, wo noch größere Umwälzungen sie bedrohen“[3], er prophezeite, wie wir gesehen, das Erstehen einer gefähr-

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[1] Sismondi erzählt uns über diese Diskussion: Monsieur Ricardo, dont la mort récente a profondément affligé, non pas seulement sa famille et ses amis, mais tous ceux qu’il a éclairés par ses lumières, tous ceux qu’il a echauffés par ses nobles sentiments, s’arrêta, quelques jours à Genève dans la dernière année de sa vie. Nous discutâmes ensemble, à deux ou trois reprises, cette question fondamentale sur laquelles nous étion en opposition. Il apporta à son examen l'urbanité, la bonne foi, l’amour de la vérité qui le distinguaient, et une clarté à laquelle ses disciples eux-mêmes ne se seraient pas entendus, accoutumés qu’ils étaient aux efforts d’abstraction qu’il exigeait d'eux dans le cabinet.“ Der Aufsatz „Sur la balance“ ist abgedruckt in der 2. Ausgabe der „Nouveaux principes“. Bd. II, S. 408. – [Fußnote im Original]

[2] Die Theorie vom Freihandel hatte der bürgerliche Ökonom David Ricardo ausgearbeitet. Die Vertreter dieser Schule forderten den sogenannten freien Außenhandel, der durch keine staatlichen Maßnahmen behindert werden sollte.

[3] Buch IV, Kap. IV: Der kaufmännische Reichtum folgt dem Wachstum des Einkommens. – [Fußnote im Original]