Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Karl Dietz Verlag Berlin, Bd. 5, S. 121

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Marx wendet sich dann an den Geldvorrat der Kapitalisten II, den sie zur Zirkulation ihrer eigenen Konsumtion in der Tasche haben, um nachzusehen, ob sich hier nicht ein Geldquantum für Zwecke der Kapitalisierung erübrigen ließe. Er nennt aber diesen Versuch selbst „noch bedenklicher“ als den früheren: „Hier stehn sich nur Kapitalisten derselben Klasse gegenüber, die die von ihnen produzierten Konsumtionsmittel wechselseitig aneinander verkaufen und voneinander kaufen. Das zu diesem Umsatz nötige Geld fungiert nur als Zirkulationsmittel und muß bei normalem Verlauf zu den Beteiligten zurückfließen, in dem Maß, wie sie es der Zirkulation vorgeschossen haben, um stets von neuem dieselbe Bahn zu durchlaufen.“[1] Dann folgt noch ein Versuch, der natürlich in die Kategorie jener „Ausflüchte“ gehört, die Marx rücksichtslos zurückweist: die Bildung von Geldkapital in den Händen der einen Kapitalisten II durch Beschwindelung der anderen Kapitalisten derselben Abteilung zu erklären, nämlich beim gegenseitigen Verkauf von Konsummitteln. Es erübrigt sich, auf diesen Versuch einzugehen.

Darauf noch ein ernstgemeinter Versuch:

„Oder aber, ein in notwendigen Lebensmitteln sich darstellender Teil von II m wird direkt in neues variables Kapital innerhalb Abteilung II verwandelt.“[2]

Wie uns dieser Versuch aus der Schwierigkeit heraushelfen, d. h. die Akkumulation in Fluß bringen soll, ist nicht ganz klar. Denn 1. hilft uns die Bildung von zusätzlichem variablem Kapital in der Abteilung II noch nicht weiter, da wir ja noch nicht das zuschüssige konstante Kapital II zustande gebracht haben und gerade dabei waren, es erst zu ermöglichen; 2. handelte es sich diesmal bei der Untersuchung um die Aufdeckung einer Geldquelle in II zum Ankauf zuschüssiger Produktionsmittel von I nicht darum, das eigene überschüssige Produkt von II irgendwie in der eigenen Produktion unterzubringen; 3. soll der Versuch bedeuten, daß die betreffenden Lebensmittel „direkt“, d. h. ohne Vermittelung des Geldes, in der Produktion von II wieder als variables Kapital verwendet werden können, wodurch die entsprechende Geldmenge aus dem variablen Kapital frei würde für Akkumulationszwecke, so müßten wir den Versuch ablehnen. Die kapitalistische Produktion schließt unter normalen Bedingungen die direkte Entlohnung der Arbeiter in Lebensmitteln aus; die Geldform

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[1] Karl Marx: Das Kapital, Zweiter Band. In: Karl Marx, Friedrich Engels: Werke, Bd. 24, S. 504 f.

[2] Das Kapital, Bd. II, S. 487. [Karl Marx: Das Kapital, Zweiter Band. In: Karl Marx, Friedrich Engels Werke, Bd. 24, S. 505.] – [Fußnote im Original]