Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Karl Dietz Verlag Berlin, Bd. 5, S. 629

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zentralen Urwälder. Wenden wir uns von Afrika nach Osten, so treffen wir zunächst im Innern von Ceylon (an der Südspitze der ostindischen Halbinsel – R. L.) das zwerghafte Jägervolk der Wedda, weiter auf der Andamanen-Gruppe die Mincopie, im Innern Sumatras die Kubu und in den Bergwildnissen der Philippinen die Aeta, drei Stämme, die wiederum zu den kleinen Rassen gehören. Der australische Kontinent war vor der europäischen Besiedelung in seiner ganzen Weite von niederen Jägerstämmen bevölkert; und wenn die Eingeborenen in der letzten Hälfte des Jahrhunderts durch die Kolonisten aus dem größten Teile der Küstengebiete vertrieben sind, so halten sie sich doch noch in den Wüsten des Innern. In Amerika endlich kann man, vom tiefsten Süden bis in den höchsten Norden verstreut, eine ganze Reihe von kulturärmsten Gruppen verfolgen. In den regen- und sturmgepeitschten Bergöden um Kap Horn (Südspitze Südamerikas – R. L.) hausen die Feuerländer, welche mehr als ein Beobachter für die elendesten und rohesten aller Menschen erklärt hat. Durch die Wälder Brasiliens streifen außer den übelberufenen Botokuden wohl noch manche Jägerhorden, von denen uns dank den Forschungen von den Steinens wenigstens die Bororó näher bekannt geworden sind. Zentralkalifornien (an der Westküste Nordamerikas – R. L.) birgt verschiedene Stämme, die nur wenig über den armseligsten Australiern stehen.“[1] Ohne Grosse weiter folgen zu können, der seltsamerweise auch die Eskimo zu den niedersten Völkern rechnet, wollen wir jetzt bei einigen der oben aufgezählten Stämme nach Spuren einer gesellschaftlich planmäßigen Organisation der Arbeit Umschau halten.

Wenden wir uns zunächst an die australischen Menschenfresser, die sich nach mehreren Gelehrten auf dem tiefsten Stand der Kultur befinden, den das Menschengeschlecht auf Erden aufzuweisen hat. Bei den Australnegern finden wir vor allem die bereits erwähnte primitive Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen: Diese besorgen hauptsächlich die pflanzliche Nahrung sowie Holz und Wasser, die Männer liegen der Jagd ob und besorgen fleischliche Nahrung.

Ferner finden wir hier ein Bild der gesellschaftlichen Arbeit, das den direkten Gegensatz zur „individuellen Nahrungssuche“ darstellt und uns zugleich einen Beleg dafür gibt, wie in primitivsten Gesellschaften für den nötigen Fleiß aller erforderlichen Arbeitskräfte gesorgt wird, zum Beispiel: „Im Stamme Chepara wird von allen Männern, falls sie nicht krank sind, erwartet, daß sie für Nahrung sorgen. Ist ein Mann faul und bleibt

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[1] Ernst Grosse: Die Formen der Familie und die Formen der Wirtschaft [Freiburg i. B. u. Leipzig 18961. S. 30 f. – [Fußnote im Original]