Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Karl Dietz Verlag Berlin, Bd. 5, S. 461

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denen Bauer ausgeht. So ist das konstante Kapital in beiden Abteilungen größer als das variable, um die Höhe des technischen Fortschritts auszudrücken. Dieses Übergewicht des konstanten Kapitals über das variable ist aber ferner in der ersten Abteilung noch größer als in der zweiten, da auch die Technik in jener gewöhnlich raschere Fortschritte macht als in dieser. Endlich ist dementsprechend das Gesamtkapital der ersten Abteilung ein größeres als das der zweiten. Das sind, wohlgemerkt, alles Bauers eigene Voraussetzungen und sehr löbliche, weil mit den Marxschen übereinstimmende Voraussetzungen. Soweit alles schön.

Nun kommt die Akkumulation. Und die beginnt in der Weise, daß Bauer beide konstanten Kapitale um die gleiche Summe von 10 000 und beide variablen um die gleiche Summe von 2500 vergrößert (siehe 1. c.). Damit werden aber sofort die obigen ökonomischen Voraussetzungen umgeschmissen. Denn 1. kann das kleinere Gesamtkapital der zweiten Abteilung unmöglich um dieselbe Summe Neukapital wachsen wie das größere der ersten Abteilung, weil auf diese Weise ihr gegenseitiges, durch die Technik bedingtes Verhältnis nach rückwärts verschoben wird; 2. können die zuschüssigen Kapitale unmöglich in beiden Abteilungen in gleicher Weise zwischen konstantes und variables eingeteilt werden, weil die Originalkapitale nicht in gleicher Weise eingeteilt waren. Auch hier wird die von Bauer angenommene technische Grundlage von ihm selbst umgeworfen.

So fängt die Sache schon damit an, daß Bauer in ganz willkürlicher Weise seine eigenen ökonomischen Voraussetzungen beim ersten Schritt der Akkumulation in den Wind schlägt. Und weshalb? Einfach den arithmetischen Resultaten zuliebe, um eine glatte Rechnung mit Addition und Subtraktion herauszubekommen, aus der er sich sonst nicht herauswickeln könnte.

Weiter. Nach der so bewerkstelligten Produktionserweiterung will Bauer uns zeigen, wie der zweite entscheidende Akt der Akkumulation, jener bewußte „Salto mortale“, d. h. die Realisierung des Mehrwertes, vor sich geht. Es soll uns der Austausch der vergrößerten Produktenmasse vorgeführt werden, und zwar so, daß damit eine weitere Stufe der Akkumulation, d. h. abermalige Produktionserweiterung, erklommen wird. Das geschieht auf S. 863.

Es gilt hier, die beiden Warenmassen, die als Resultat des ersten Produktionsjahres vorliegen: 220 000 Produktionsmittel und 180000 Lebensmittel, zum Austausch zu bringen. Zunächst geht die Sache in der üblichen Weise vor sich : Jede Abteilung verwendet die größte Portion ihrer Waren-

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