Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 5, 4. Auflage, Dietz Verlag Berlin 1990, S. 43

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Wertschaffen für eine natürliche Eigenschaft der menschlichen Arbeit, der individuellen konkreten Arbeit des Einzelmenschen hielt.

Diese Auffassung tritt noch krasser bei Ad. Smith zutage, der ja z. B. den „Hang zum Tausche“ direkt für eine Besonderheit der menschlichen Natur erklärt, nachdem er ihn vorher umsonst bei Tieren, wie bei Hunden usw., gesucht.

Übrigens erkennt Smith, wenn er auch den „Hang zum Tausche“ bei Tieren bezweifelt, der tierischen Arbeit gleich der menschlichen wertschaffende Eigenschaft zu, namentlich dort, wo er gelegentlich Rückfälle in die physiokratische Auffassung aufweist:

„Kein anderes gleich großes Kapital setzt eine größere Menge von produktiver Arbeit in Bewegung als das des Landmannes. Nicht nur seine Arbeitsleute, sondern auch sein Arbeitsvieh sind produktive Arbeiter ... Die zur landwirtschaftlichen Arbeit verwendeten Menschen und Tiere reproduzieren mithin nicht nur, wie die Fabrikarbeiter, einen ihrem eigenen Verbrauche oder dem sie beschäftigenden Kapitale samt dem Gewinn des Kapitalisten gleichen Wert, sondern einen viel größeren. Außer dem Kapital des Pächters samt seinem ganzen Gewinn reproduzieren sie auch regelmäßig die Rente für den Grundbesitz.“[1]

Hier kommt am drastischsten zum Ausdruck, daß Smith das Wertschaffen direkt für eine physiologische Eigenschaft der Arbeit als einer Äußerung des tierischen Organismus des Menschen hielt. So wie die Spinne aus ihrem Körper das Gespinst produziert, so schafft der arbeitende Mensch Wert – der arbeitende Mensch schlechthin, jeder Mensch, der nützliche Gegenstände schafft, denn der arbeitende Mensch ist von Hause aus Warenproduzent, wie die menschliche Gesellschaft von Natur aus eine auf Austausch beruhende, die Warenwirtschaft die normalmenschliche Wirtschaftsform ist.

Erst Marx erkannte im Werte ein besonderes, unter bestimmten geschichtlichen Bedingungen entstehendes gesellschaftliches Verhältnis, kam dadurch zur Unterscheidung der beiden Seiten der warenproduzierenden Arbeit: der konkreten individuellen und der unterschiedslosen gesellschaftlichen Arbeit, durch welche Unterscheidung erst die Lösung des Geldrätsels wie im Scheine einer Blendlaterne hell in die Augen springt.

Um auf diese Weise im Schoße der bürgerlichen Wirtschaft, statisch, den zwieschlächtigen Charakter der Arbeit, den arbeitenden Menschen und den wertschaffenden Warenproduzenten auseinanderzuhalten, mußte Marx vorher dynamisch, in der geschichtlichen Zeitfolge, den Warenproduzenten

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[1] A. Smith l. c., Bd. I, S. 376. – [Fußnote im Original]