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von dem natürlichen Gleichgewicht zwischen Produktion und Konsumtion, Nachfrage und Angebot. Der Unterschied ist nur der, daß Say–Ricardo sich ausschließlich in den Bahnen der einfachen Warenzirkulation bewegten, während Tugan dieselbe Auffassung einfach auf die Kapitalzirkulation überträgt. Seine Theorie der Krisen aus „Disproportionalität“ ist im Grunde genommen nichts als eine Paraphrase der alten platten Abgeschmacktheit Says: Wenn von irgendeiner Ware zuviel produziert worden ist, so beweist das bloß, daß von irgendeiner anderen Ware zuwenig produziert worden ist, nur daß Tugan diese Abgeschmacktheit in der Sprache der Marxschen Analyse des Reproduktionsprozesses vorträgt. Und wenn er entgegen Say die allgemeine Oberproduktion wohl für möglich erklärt, und zwar mit dem Hinweis auf die von Say ganz vernachlässigte Geldzirkulation, so basieren Tugans erfreuliche Operationen mit dem Marxschen Schema doch tatsächlich auf derselben Vernachlässigung der Geldzirkulation, wie sie Say und Ricardo im Problem der Krisen geläufig war: „Schema Nr. 2“ wird sofort voller Stacheln mit Widerhaken, sobald man beginnt, es auf die Geldzirkulation zu transponieren. An diesen Stacheln ist Bulgakow in seinem Versuch, die abgebrochene Marxsche Analyse zu Ende zu denken, hängengeblieben. Es ist diese Vereinigung von Marx geborgter Denkformen mit Say–Ricardoschem Gedankeninhalt, was Tugan-Baranowski bescheiden seinen „Versuch der Synthese der Marxschen Theorie mit der klassischen Nationalökonomie“ getauft hat.

So gelangt die optimistische Theorie, die die Möglichkeit und Entwicklungsfähigkeit der kapitalistischen Produktion gegen kleinbürgerliche Zweifel verteidigte, nach fast einem Jahrhundert und über die Marxsche Lehre in ihren „legalen“ Wortführern wieder zum Ausgangspunkt, zu Say–Ricardo. Die drei „Marxisten“ landen bei den bürgerlichen Harmonikern der guten alten Zeit knapp vor dem Sündenfall und der Vertreibung der bürgerlichen Nationalökonomie aus dem Paradiese der Unschuld – der Kreis ist geschlossen.

Die „legalen“ russischen Marxisten haben über ihre Widersacher, die „Volkstümler“, zweifellos gesiegt, sie haben aber zuviel gesiegt. Alle drei – Struve, Bulgakow, Tugan-Baranowski – haben im Eifer des Gefechts mehr bewiesen als zu beweisen war. Es handelte sich darum, ob der Kapitalismus im allgemeinen und insbesondere in Rußland entwicklungsfähig sei, und die genannten Marxisten haben diese Fähigkeit so gründlich dargetan, daß sie sogar die Möglichkeit der ewigen Dauer des Kapitalismus theoretisch nachgewiesen haben. Es ist klar, daß, wenn man die schrankenlose Akkumulation des Kapitals annimmt, man auch die schranken-

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