Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Karl Dietz Verlag Berlin, Bd. 5, S. 124

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von 500 Pfd. St., welches immer seine Umschlagsperiode, sei das zirkulierende Gesamtkapital der Gesellschaft, d. h. der Kapitalistenklasse. Der Mehrwert sei 100 Pfd. St. Wie kann nun die ganze Kapitalistenklasse beständig 600 Pfd. St. aus der Zirkulation herausziehn, wenn sie beständig nur 500 Pfd. St. hineinwirft?“[1]

Wir sind hier wohlgemerkt bei der einfachen Reproduktion, wo der gesamte Mehrwert von der Kapitalistenklasse zu persönlicher Konsumtion verwendet wird. Die Frage müßte also von vornherein präziser so gefaßt werden: Wie können die Kapitalisten, nachdem sie für konstantes und variables Kapital im ganzen 500 Pfund Sterling in Geld in Umlauf setzen, ihrer Konsummittel im Betrage des Mehrwerts = 100 Pfund Sterling habhaft werden? Es ist dann sofort klar, daß jene 500 Pfund Sterling, die als Kapital ständig zum Ankauf von Produktionsmitteln und zur Entlohnung der Arbeiter dienen, nicht zugleich zur Deckung der persönlichen Konsumtion der Kapitalisten dienen können. Wo kommt also das zuschüssige Geld von 100 Pfund Sterling her, das die Kapitalisten zur Realisierung ihres eigenen Mehrwerts brauchen? Marx lehnt sofort alle theoretischen Ausflüchte ab, die etwa zur Beantwortung der Frage versucht werden könnten:

„Man muß nun die Schwierigkeit nicht durch plausible Ausflüchte zu umgehn suchen.

Zum Beispiel: Was das konstante zirkulierende Kapital betrifft, so ist klar, daß nicht alle es gleichzeitig auslegen. Während Kapitalist A seine Ware verkauft, also für ihn vorgeschoßnes Kapital Geldform annimmt, nimmt für den Käufer B umgekehrt sein in Geldform vorhandnes Kapital die Form seiner Produktionsmittel an, die gerade A produziert. Durch denselben Akt, wodurch A seinem produzierten Warenkapital die Geldform wiedergibt, gibt B dem seinigen die produktive Form wieder, verwandelt es aus Geldform in Produktionsmittel und Arbeitskraft; dieselbe Geldsumme fungiert in dem doppelseitigen Prozeß wie in jedem einfachen Kauf W–G. Andrerseits, wenn A das Geld wieder in Produktionsmittel verwandelt, kauft er von C, und dieser zahlt damit B etc. So wäre dann der Hergang erklärt. Aber:

Alle in bezug auf das Quantum des zirkulierenden Geldes bei der Warenzirkulation (Buch I, Kap. III) aufgestellten Gesetze werden in keiner Art durch den kapitalistischen Charakter des Produktionsprozesses geändert.

Wenn also gesagt wird, das in Geldform vorzuschießende zirkulierende

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[1] Karl Marx: Das Kapital, Zweiter Band. In: Karl Marx, Friedrich Engels: Werke, Bd. 24, S. 332.