Im 15. Jh. fallen märkische Städte von der Hansa ab, und zwar unter dem Einfluß der aufkommenden Landesherrschaft, der aufkommenden Kurfürstengewalt.
Gleichfalls im 15. Jh. wird Nowgorod von dem aufkommenden Zarentum, von Iwan dem Schrecklichen zerstört und gänzlich der Selbständigkeit beraubt. So fallen die Städte nacheinander ab, so daß im Anfang des 17. Jh. nur noch 14 Städte im Hansabund bestehen.
Seit dem Westfälischen Frieden, 1648[1], ist die Hansa ganz in Verfall geraten.
Es gibt leider nicht viele Untersuchungen über die Hansa. Es gibt neue, die aber alle nicht so gut sind wie eine alte von Sartorius von Waltershausen, drei Bände (antiquarisch billig). Das Buch enthält aber keine Kritik, die muß man selbst bilden, aber es enthält das Material.[2]
Der Hansabund vertritt ausschließlich Handelsinteressen und dadurch auf veralteten Formen und Methoden des Handels. Das äußerte sich darin, daß sie [die Hansastädte] nicht die Gründung von Kolonien mitmachen wollten, wie es England und die Niederlande taten.
Die geographische Lage ist hier ausschlaggebend.
Auf der einen Seite sind in Deutschland die Städte nicht zu der Macht gekommen, daß sie auf eigene Faust eine große Zentralisation bilden konnten. Dazu war das Übergewicht der Landwirtschaft und des Feudalismus zu groß.
Es war das kleine Landesfürstentum, daß das Zurückbleiben Deutschlands mit verursacht hat. Es hatte wohl die Macht, die Städte niederzuhalten, aber nicht die Macht, die neue Periode vorzubereiten.
Auf der einen Seite ist es zu konservativ, um die neue Produktionsweise mitzumachen. Auf der anderen Seite richtet es sich schon gegen die Zünfte, läßt die nicht zu solcher Kraft gelangen wie in Italien usw.
Es war nur ein Gebilde zur Ausnutzung des Handels in einer gewissen Spanne.
Charakteristisch ist Nowgorod. Es wurde von einem Zaren zerstört. Das war eine der Erscheinungen, die zum Verfall der Hansa führten.
Warum wurde Nowgorod zerstört? Es hatte sich im Innern aufgeschwungen zu der republikanischen Lebensform wie die Städte anderswo. Gleichzeitig strebt das absolutistische Zarentum in Rußland auf, und dem mußte die schwach aufkeimende städtische Freiheit weichen.
[1] Nach langen Verhandlungen wurde am 24. Oktober 1648 der Dreißigjährige Krieg durch den Westfälischen Frieden in Münster zwischen dem Kaiser und Frankreich bzw. in Osnabrück zwischen dem Kaiser und Schweden beendet. Die Kämpfe hatten in Deutschland zu großen Verwüstungen weiter Gebiete und zu einem Bevölkerungsverlust von ca. 35 Prozent geführt. Durch den Westfälischen Frieden verlagerte sich das politische Schwergewicht vom Reich auf die einzelnen Territorien. Frankreich gewann in der Folgezeit starken Einfluß auf die deutsche Politik.
[2] Siehe Georg Friedrich Christoph Sartorius von Waltershausen: Urkundliche Geschichte des Ursprungs der deutschen Hanse, Hamburg 1830.