der Schuldenlast, H Zuziehung der Bauern zum Kriegsdienst. Kurz, die Kämpfe endeten mit dem Sieg der Bauern.
Dieser Sieg sollte jedoch für die Bauern verhängnisvoll werden. Die Kriege nahmen immer mehr zu. Kriegsdienst u. Kriegslasten, zu denen jetzt ja die Bauern ebenfalls auch herangezogen wurden, ebenfalls. Eine zunehmende Proletarisierung der [Bauern] war die Folge. In seinen eroberten zahlreichen Kolonien besaß Athen einen Abflußkanal, der die proletarisierten Bauern aufnahm. Diese gründeten dort Markgenossenschaften. Dies hatte den Prozeß wohl aufgehalten, aber nicht aufgehoben. Der Reichtum konzentrierte sich einerseits immer mehr in den Händen der Besitzenden, andererseits nahm die Armut bei der anderen Bevölkerung immer mehr zu.
Die großen Besitzungen an Grund u. Boden verlangten zu ihrer Nutzbarmachung eine Menge von Arbeitskräften. In den Weinbergen, Bergwerken und in der Manufaktur wurden nun Sklaven beschäftigt, die aus den Gefangenen eines Krieges bestanden.
Die Handwerker galten als freie Bürger, die sogenannten Demiurgoi.[1] Es gab handwerksmäßige Betriebe, in welchen größere Zahlen von Sklaven beschäftigt waren. Der Freie sah als seine eigentliche Beschäftigung an Politik, Kunst und Wissenschaft. Daher auch die hohe Stufe, die bei den Griechen die Wissenschaft einnahm. Diese Auffassung zeigt uns auch, welche Differenzierung in der Lebenshaltung damals eingetreten war. Daß das Geistesleben eine so hohe Stufe einnahm, war nur durch die Sklavenarbeit möglich. Im 5. Jh. v. u. Z. wurde für einen Carischen Knaben 57 M, für einen Thrakier 115–117 M, für eine Thrakierin 130–170 M, für eine Septin 150 M, für einen Ilyrer 100 M, für einen Syrer 180–220 M bezahlt. Es wird berichtet, daß für einen Aufseher einmal 4 700 M bezahlt wird. Demosthenes zahlte für einen Sklaven in seiner Waffenfabrik 130–150 Taler. Ein Sklave für den Bergbau kostete 150 Taler, für die Landwirtschaft 150 Taler, für die Tischlerei 105 Taler.
Hauptzentren des Sklavenhandels waren Athen, Corinth, Syrakus und Chios.
Über die Zahl der Sklaven macht August Boeckh in seinem 1870 erschienenen Werk „Staatshaushalt der Athener“ Angaben.[2] Im 4. Jh. in Attika 90000 Freie, 40000 Metöken (Halbfreie), Sklaven 400000. Neuere Zahlen Freie 210000, Metöken 100000, Sklaven 100000.
[1] Siehe Einführung in die Nationalökonomie. In: GW, Bd. 5, S. 655, wo es in der Fußnote von Rosa Luxemburg heißt: „Genau dieselbe Stellung nahm der Handwerker in der griechischen Gemeinde der homerischen Zeit ein: ‚Alle diese Leute (Metallarbeiter, Zimmermann, Spielmann, Arzt – R. L.) sind Demiurgoi (von Demos = Volk – R. L.), d. h. sie arbeiten für die Angehörigen der Gemeinde, nicht für sich selbst, sie sind persönlich frei, aber sie gelten nicht für voll, sie stehen unter den eigentlichen Gemeindeangehörigen, den kleinen Bauern. Vielfach sind sie nicht seßhaft, sie ziehen von Ort zu Ort oder werden auch, wenn sie einen Namen haben, von weither gerufen.“ (Ed. Meyer: Die wirtschaftliche Entwicklung des Altertums [Jena 1895], S. 17.)
[2] Siehe August Boeckh: Die Staatshaushaltung der Athener, Berlin 1886.