Rosa Luxemburg Werke [RLW], Berlin 1970ff., Bd. 6, 1. Auflage, Karl Dietz Verlag Berlin 2014, S. 724

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Witte[1] und den Zaren nicht zu übermitteln, wenn sie persönlichen Inhalts seien. In Łódź streiken in 37 Fabriken etwa 7–8000 Arbeiter. In Dombrowa wurden zwölf Studenten verhaftet.

Die Rebellion in der Marine

Braila, 24. November. Trotz Intervention des russischen Konsuls können die hier vor Anker liegenden russischen Schiffe nicht nach Bessarabien und Killa abdampfen, da die meuternden Matrosen erklären, nicht mehr nach Rußland zurückkehren zu wollen. Ein anderer russischer Dampfer, der zahlreiche russische Revolutionäre an Bord hat, und der erklärt, die Matrosen des „Potjomkin“ abholen zu wollen, damit sie sich an der Revolution in Rußland beteiligen können, darf auf Befehl der Regierung nicht landen.

Kosaken gegen Kosaken

Einer hiesigen Korrespondenz wird mitgeteilt: In Moskau wurde in diesen Tagen eine große Versammlung von Don-Kosaken abgehalten. Auf dieser Versammlung wurde ein Beschluß gefaßt, der die Regierung auffordert: 1. alle Kosaken, die auf wehrlose Bürger geschossen haben, zu bestrafen. 2. Die Kosaken für alle Zeiten vom Polizeidienst zu entheben. 3. Alle 13 Kosaken-Regimenter, die sich im Zentrum Rußlands befinden, in ihre Heimat am Don zurückzusenden.

Ein Erfolg der Kronstädter

Die Kronstädter Matrosenunruhen[2] haben zur Folge gehabt, daß das Marineministerium beschlossen hat, den Dienst in der Marine, der bisher sieben Jahre dauerte, um zwei Jahre zu verringern. Außerdem soll die Marine vollständig reorganisiert werden.

Vorwärts (Berlin),

Nr. 276 vom 25. November 1905.

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[1] Graf Witte war von 1892 bis 1903 Finanzminister und von Oktober 1905 bis April 1906 Ministerpräsident Rußlands. Er war Monarchist, aber zeitweilig zu einem Bündnis mit der Großbourgeoisie und zu konstitutionellen Zugeständnissen bereit. Letzten Endes war er maßgeblich an der Unterdrückung der Revolution beteiligt.

[2] Siehe Rosa Luxemburg: Die Wahrheit über Kronstadt. In: GW, Bd. 6, S. 691 ff.